Oktober 2019

Fairplay Straßenfußball Cup in Elster

stillt den Torhunger 

12.10.2019

Der Fairplay-Straßenfußball-Cup des Landessportbundes macht Station im Jugendclub „Zuflucht“ Elster. 

Warum Moritz Leppin aus Trebitz die Elbe überquert.

Für einen Fan des FC Barcelona gibt es nur ein Ziel. „Wir gewinnen das Turnier“, verkündet Moritz Leppin, der für die SG Heiderand II auf Torejagd geht. Der E-Jugend-Fußballer aus Trebitz ist dafür extra über die Elbe gekommen, um seinen Cousin Marcus Weiser aus Dietrichsdorf beim Fairplay-Straßenfußball-Cup des Landessportbundes Sachsen-Anhalt zu unterstützen.

Leppin erzählt von seinem Idol Lionel Messi, dessen trickreiche Spielweise er total bewundert, dem lockeren Gewinn der spanischen Meisterschaft und seinen persönlichen Spezialitäten wie dem Seitfallzieher. Beim Thema Gewinn der Champions League hält der Junge aus Trebitz den Ball betont flach.

„Es gibt viele gute Mannschaften“, sagt er und erinnert dabei an das 0:4 gegen den FC Liverpool. Das Team Barcelona ist beim Wettbewerb des LSB, an dem sich vier Teams des Jugendclubs „Zuflucht“ Elster beteiligen, unangefochten die Nummer eins. Nach der Doppelrunde - Modus „jeder gegen jeden“ - haben die „Kicker aus Katalonien“ 18:0 Punkte und 52:1 Tore auf dem Konto.

Auf den Plätzen folgen die „Brawl Stars“ (12:6 Punkte, 35:11 Tore), das Team „Deutschland“ (3:15, 12:37) und die „Girlys“ (3:15, 7:57), die Barcelona das einzige Gegentor eingeschenkt haben.

Jugendclub-Mitarbeiterin Sabine Hoffmann betont, dass es bei einem Wettbewerb zwar einen Gewinner gibt, doch praktisch alle Sieger sind. „Jeder hat für seinen fairen Einsatz einen Preis erhalten. Die Ferienkinder sind glücklich, es war ein rundum gelungener Tag“, so Sabine Hoffmann. Bundestagsabgeordneter Sepp Müller (CDU) hat sein im Vorfeld gegebenes Versprechen gehalten und den Ehrenanstoß durchgeführt.

„Toll, was hier in Elster entstanden ist“, sagt er und zeigt dabei auf den Jugendclub. Der 30-Jährige kommt mit den Kindern sofort ins Gespräch und macht jeden Spaß, wie zum Beispiel einen Salto vorwärts auf dem Trampolin, mit.

Tim Neitzel vom LSB erklärt, dass der Cup in das Projekt „Integration durch Sport“ eingebunden ist. Menschen mit Migrationshintergrund zum Beispiel können sich durch den Sport ins gesellschaftliche Leben einbringen. „Er funktioniert als Bindeglied“, sagt Neitzel, der selber Handball bei Grün-Weiß Werder und der HSG Ahrensdorf/Schenkenhorst gespielt hat.

Drei Fußballer bilden beim Soccer-Cup ein Team, Auswechslungen erfolgen ohne Ankündigung über den Hinterausgang am Tor. Der Fairplay-Gedanke steht immer im Vordergrund. Es wird nicht gerempelt oder gefoult, einem am Boden liegenden Spieler aufgeholfen. Für Ordnung auf dem umzäunten und mit Fangnetzen ausgestatteten Court sorgt ein Ferienkind, das ein Schiedsrichter-Leibchen trägt.

Nach der letzten Partie findet die bereits erwähnte Siegerehrung statt. „Kinder wollen etwas in den Händen halten und zu Hause zeigen“, so Neitzel. Übrigens: Das Gegentor hat Barcelona laut Hoffmann zugelassen. „Bei den Girlys wollten die Jungs Kavaliere sein“, sagt sie.

 

Text: Thomas Tominski

Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann

 

Herbstferien im Jugendclub „Zuflucht“ Elster

Ministerpräsidenten Reiner Haseloff getroffen

08.10.2019

Ein unvergesslicher Tag. Schon seit Tagen waren die Mädchen und Jungen im Jugendclub „Zuflucht“ Elster mächtig aufgeregt. Denn es hieß, man trifft den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, den Chef von Sachsen-Anhalt. Die größeren Jugendlichen können sich noch erinnern wie er zu Besuch im Jugendclub „Zuflucht“ Elster war. Aber nun hieß es nach Bülzig fahren, denn dort hat Herr Haseloff eine Bank gesponsert und wollte sie nun der Öffentlichkeit übergeben. Wir überlegten uns gemeinsam, was wir für einen Beitrag dazu leisten könnten.

„Wir schenkten vier weiche Sitzkissen für die Bank und ein Erinnerungsfoto.“

Gesagt getan. Es war für uns alle, ob klein, ob groß ein erlebnisreicher Tag.

Unser Ministerpräsident Reiner Haseloff hat sich eine ganze Weile mit uns unterhalten. Unsere Geschenke haben wir überreicht. Noch ein Erinnerungsfoto mit dem Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, auf der „Ministerpräsidentenbank“. Ein aufregender unvergesslicher Tag. Sogar die Sonne zeigte sich von ihrer schönsten Seite.

Text und Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann

 

Karneval in Elster

Narren des ECV haben neuen Chef 

06.10.2019

Karsten Röder übernimmt das Präsidentenamt von Jürgen Kranepuhl. 

Warum alle Veranstaltungen des ECV künftig im „Schiffchen“ über die Bühne gehen.

Der Elsteraner Carneval Verein (ECV) marschiert mit einem neuen Präsidenten an der Spitze in die 48. Session. „Karsten Röder habe ich mir schon vor zehn Jahren ausgeguckt“, sagt der scheidende Chef Jürgen Kranepuhl, der dem ECV als aktives Mitglied des Elferrats erhalten bleibt. Der 63-Jährige betont, dass es längst überfällig gewesen ist, den Staffelstab „an einen Jüngeren“ zu übergeben.

Kranepuhl wird seinem Nachfolger in der Anfangsphase beratend zur Seite stehen, aber diesem nicht „ins Handwerk pfuschen“. „Ich wünsche ihm immer ein glückliches Händchen in puncto Vereinsführung und stets viel Publikum. Die Altersgruppe 40 bis 60 fehlt uns bei den Veranstaltungen fast komplett“, so der Ex-Präsident, der knapp 20 Jahre das Zepter geschwungen hat.

Längere Bedenkzeit

Karsten Röder, den alle nur Erpel rufen, ist in der Karnevals-Szene kein heuriger Hase. Er ist seit 1995 Mitglied des ECV und hat sich als Moderator, Büttenredner und Mitglied im Jugendelferrat einen Namen gemacht. Der gelernte Kaufmann für Groß- und Außenhandel betont, dass die endgültige Entscheidung, das Amt des 100-köpfigen Vereins zu übernehmen, ein längerer Prozess gewesen sei.

Bei der ersten Anfrage Kranepuhls habe es aus familiären Gründen noch nicht gepasst, jetzt kann er sich voll auf die anstehenden Aufgaben konzentrieren. Der dreifache Familienvater erzählt, dass die Chemie beim ECV stimmt, die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt sind und es allen Mitgliedern am Herzen liegt, die Zuschauer mit einem tollen und abwechslungsreichen Programm von den Stühlen zu reißen.

„Es sind schon richtig große Fußabdrücke, in die ich treten soll“, meint er, doch Angst vor neuen Herausforderungen habe er nicht. Die Wünsche seines Vorgängers sind auch seine eigenen. Immer einen vollen Saal lautet die Devise, der Umzug vom Veranstaltungshaus „Elsterland“ in die Gaststätte „Zum Schiffchen“ (am Markt 8) soll diesen Anspruch unterstützen. „Wir wollen den ehemaligen Kinosaal mit Leben erfüllen“, so der 43-Jährige, der den Weggang aus „Elsterland“ zwar bedauert, den Wechsel in die kleinere Lokalität jedoch als chancenreichen Neuanfang bezeichnet.

Um seinen Spitznamen „Erpel“ macht er ein Geheimnis. „Das ist nichts für die Zeitung“, meint er vielsagend, die Bezeichnung stammt noch aus seiner Jugendzeit. Prinzipiell sei es ihm egal, ob er mit Vor- oder Spitznamen angeredet wird. Daran wird auch das Präsidentenamt nichts ändern.

Stolze Stellvertreterin

Stellvertreterin Silke Wolter ist stolz wie Bolle, dass Röder weiter auf eine Zusammenarbeit mit ihr setzt. „Er hat es vor Amtsantritt zur Bedingung gemacht, dass ich Vize-Präsidentin bleibe“, sagt sie. Silke Wolter charakterisiert Röder als Typen, der in die Welt passt und ein Karnevalist durch und durch ist. Zudem ist sie überzeugt, dass er die von Kranepuhl hinterlassenen Fußstapfen bald ausfüllen wird. Wolter will dem neuen Chef den Rücken frei halten und ihren Part zum guten Miteinander beitragen.

Der Verein läutet in diesem Jahr bereits am 10. November um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit ein und stellt vor dem Rathaus in Elster der Öffentlichkeit das neue Prinzenpaar vor. Röder bemerkt, dass die Suche nicht immer ganz einfach sei, doch es dem Verein gelungen ist, ein passendes Paar zu finden. „In diesen Prozess bin ich weniger involviert“, sagt er.

Im „Schiffchen“ steigt am 16. November die Karnevalsdisco des ECV. Mit dieser Veranstaltung, so Röder, will der Verein vor allem die jüngeren Leute ansprechen. Trotz seiner 43 Jahre zählt er sich mit dazu. Die erste Großveranstaltung der 48. Session geht hier am 23. November über die Bühne. Mit dem neuen Präsidenten an der Spitze.

Text: Thomas Tominski

Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann (Archiv)

 

Bildung in Elster

Unterricht durch die Feuerwehr 

06.10.2019

Feuerlöscher sind, zumindest in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen, ein ganz normaler Anblick. Auch an der Sekundarschule Elster. Allerdings ist fraglich, ob die Jugendlichen damit im Notfall auch umgehen können. Das zu ändern, hat sich die Feuerwehr Elster zur Aufgabe gemacht.

Die Antwort, die Feuerwehrkamerad Jan Giersch erhielt, beantwortete gleich mehrere Fragen. „Hat denn jemand Interesse von euch, bei der Feuerwehr mitzumachen?“, wollte er von den Siebtklässlern der Sekundarschule Elster wissen. Keine Hand ging nach oben. Man habe andere Hobbys, entgegneten die Jugendlichen. Was Giersch wiederum zu dem Satz veranlasste: „Feuerwehr ist kein Hobby, sondern eine Einstellungsfrage.“

Nachwuchssorgen bleiben

Immer weniger Kinder und Jugendliche finden heutzutage in ihrer Freizeit den Weg zur Feuerwehr, immer weniger wissen sich in Gefahrensituationen richtig zu helfen. Um so wichtiger sei es, betont Elsters Wehrleiter Marcel Rückert, um den Nachwuchs zu werben und den Jugendlichen gleichsam das Einmaleins des Brandschutzes näher zu bringen.

Einmal im Jahr

Einmal im Jahr bietet sich der Feuerwehr Elster dazu an der Sekundarschule des Ortes eine gute Gelegenheit. Auf Initiative der Chemielehrerin Saskia Meißner kommen Kameraden der heimischen Löschtruppe in die Schule, um dort vor Siebtklässlern über das Erkennen von Gefahren und erste allgemeine Abwehrmaßnahmen zu reden. So auch am Mittwoch dieser Woche.

Intensiv klärten die sechs Männer ihre Zuhörer über die verschiedenen Brandklassen, die dafür speziell vorgesehenen Handfeuerlöscher und den richtigen Umgang mit ihnen auf. Etwa darüber, dass beim Löschen die Windrichtung zu beachten ist, man Stoßweise das Löschmittel freigeben und vor allem keinen Heldenmut an den Tag legen soll. Nur wer den Respekt vor den Flammen nicht verliert, kommt zum gewünschten Erfolg, mahnte Ingolf Nitzsche die Schüler an.

Beim Brandschutz allein beließen es die Gastredner jedoch nicht. Ausführlich schulten sie die Jugendlichen auch über das Verhalten bei anderen Notfällen, etwa einem Verkehrsunfall. Die unmittelbar vor der Schule vorbeiziehende Bundesstraße 187 bietet schließlich reichlich Gefahrenpotential und auch der Fußgängerüberweg vor dem Schulgebäude verheißt keine hundertprozentige Sicherheit. „Letztendlich geht es uns darum, den Schülern ein Grundverhalten zu vermitteln. Und zwar darüber, wie man sicher durch den Alltag kommt“, fasst Wehrleiter Rückert das Geschehen zusammen. Bei den Jungen und Mädchen kam das Gehörte überwiegend positiv an.

„Ich finde, sie haben das gut gemacht“, lobte Nick Jahn aus Elster die Kameraden. Seiner Auffassung nach seien die Themen interessant, unterhaltsam und lehrreich vermittelt worden. Auch Lena Lopatta aus Listerferda zeigte sich zufrieden mit den etwas anderen Unterrichtsstunden. „Das, was wir heute gelernt haben, lässt sich im Alltag gut anwenden“, hob sie hervor.

Hoffnung bleibt

Da auch die Schule mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit überaus zufrieden ist, dürfte einem fünften Tag der Sicherheit im kommenden Jahr kaum etwas im Wege stehen. Und vielleicht hat sich bis dahin ja doch noch der eine oder andere Jugendliche dazu entschlossen, aktiv in der Feuerwehr mitzuarbeiten, so die Hoffnung der Aktiven.

 

Text: Sven Gückel

Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann

 

Gedenken an die Opfer von 1813

03.10.2019

Jan Hoffmann von der 1. Preußischen Artellerie Elster/Listerfehrda findet es sehr wichtig dass man den 3. Oktober nicht vergisst.

Viele haben ihr Leben lassen müssen. Weit über 1500 Tote und Verletzte Soldaten. Man spricht über 50 Tote und Verletzte Offiziere. Mit der Geschichte kennt er sich aus. Viele Gefangene auf allen Seiten. Genaue Zahlen weiß man nicht. Geschichte so Herr Hoffmann ist dafür da das wir sie am Leben erhalten und daraus lernen. 

Gemeinsam mit dem Förderkreis Wartenburg 1813 Gardejäger und dem Förderkreis Historische Artellerie beging man diesen historischen, erwürdigen Tag. Auf der Elbseite von Wartenburg wurden aus einer preußischen Kanone drei Salutschüsse abgegeben.

Im Anschluss legte man gemeinsam auf der Elsteraner Seite am Gedenkstein Kränze nieder um an die Schlacht zu erinnern und deren Opfer.

In den Befreiungskriegen von 1813 begann sich das Deutsche National Gefühl zu entwickeln. Denn zu Beginn dieser Kriege kämpften auf beiden Seiten Deutsche gegen Deutsche. Erst bei der Völkerschlacht bei Leipzig hat sich das im Laufe der Kampfhandlungen geändert. So traten die Deutschen (Rheinbundstaaten) die auf Napolions Seite kämpften in die Antinapolianische Seite über.

In der Nähe von Wartenburg sollte das Korps unter Yorck in den Morgenstunden des 3. Oktober die Elbe (von Elster nach Wartenburg) überqueren. Die Division Morand des Korps Bertrand stand Yorcks Soldaten in gut geschützten Stellungen gegenüber. Südöstlich von Wartenburg lag in Bledding die württembergische Division Franquemont und dahinter die italienische Division Fontanelli. 

Beim ersten Frontalangriff der Brigade Steinmetz wurde kein Erfolg erzielt. Erst nach zwei Stunden dauernden Eroberung Bleddins durch Prinz Karl zu Mecklenburg um ca. 14.00 Uhr konnten die Linien der Franzosen von Brigaden unter General von Horn, der als Erster in Wartenburg eindrang, aufgerollt werden. Bei einem Kavalleriegefecht im nahen Globig siegten preußische und mecklenburgische Husaren.

Deutschland ist nun seit dem 3. Oktober 1989 wieder vereint. Dies wäre ohne den sich 1813 formenden  Nationalgedanken nicht möglich gewesen. Denn hier bildete sich das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen erst heraus. Basierend auf einer gemeinsamen Sprache. Dies  ist der kleinste gemeinsame  Nenner in unserer Nation.

Durch die friedliche Revolution 1989 konnte sich Deutschland noch einmal wiedervereinigen. Diese Einigung ging durch Krieg für eine lange Zeit verloren. Erst danach durch die friedliche Einigung und die richtigen Schlussfolgerungen daraus,  sorgt Deutschland seither für eine lange Phase friedlicher Endwicklung in Europa.

 

Text und Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann

 

Nachbarschaftsstreit in Klebitz

Die einen wollen Unken schützen - die anderen eine Mauer bauen 

02.10.2019

 

  • Eine Lurch-Art hat sich bei Familie Marx in Klebitz angesiedelt. 
  • Eine geplante Mauer der Nachbarn könnte die Wanderwege des Tieres abschneiden. 
  • Wie es nun weitergehen kann.

Vor 31 Jahren ist Ralph Marx aus Halle nach Klebitz gezogen. Sein Anwesen befindet sich neben zwei weiteren Grundstücken kurz außerhalb der Ortslage und in direkter Nähe zur Bahnstrecke. Marx, der am Ort einen Auto-Service betreibt, hat an Haus, Hof und Garten viel gemacht. Ein Idyll ist entstanden, mit kleinem Biotop, unter anderem in einem Naturteich hinter dem Wohnhaus habe sich die Rotbauchunke angesiedelt.

Laut Naturschutzbund ist sie streng geschützt - und sie gilt als gefährdet. Und auch in Klebitz, das befürchten die Eheleute Bianca und Ralph Marx, könnte es der Rotbauchunke bald schlecht ergehen. Grund ist das Bestreben der Nachbarn, entlang der Grundstücksgrenze eine Einfriedung zu errichten, die Rede ist von einer Mauer. Sie würde, so Bianca Marx, den Wanderweg der Unken abschneiden. Diese ziehen jetzt im Herbst in ihr Winterquartier im Erdreich in ein nahe gelegenes Wäldchen.

Besichtigung geplant

Bianca und Ralph Marx, die erfreut darüber sind, auch Beutelmeisen und Ringelnattern auf ihrem Land zu haben, wundert, dass der Landkreis Wittenberg den Nachbarn eine Baugenehmigung erteilt hat - ohne zuvor ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellen zu lassen. Rolf Häuser, Leiter des Bauordnungsamtes, bestätigt das gegenüber der MZ. Demnach war die Naturschutzbehörde „involviert“, jedoch sei kein Gutachten angefordert worden. Ob so etwas doch notwendig ist, soll nun nachträglich geprüft werden.

Artenschutzmitarbeiterin im Fachdienst Umwelt und Abfallwirtschaft ist Julia Weier. Sie sagt zur MZ: „Die Rotbauchunke ist eine geschützte Tierart, definitiv.“ Der Fall Klebitz sei ihr bekannt. Auf Nachfrage erklärt sie: „Es wird nicht zu jeder Baugenehmigung ein Gutachten angefordert.“ Nun versuche sie, „bald rauszufahren“. Dass die Rotbauchunken aktuell womöglich nicht zu sehen sind, weil sie wahrscheinlich bereits in ihre „Überwinterungsgründe“ gezogen sind, ist offenbar kein Problem.

Rückschlüsse lassen demnach auch der Standort und dessen Eigenschaften zu. Zudem soll geschaut werden, wo die Überwinterungsgründe der Klebitzer Rotbauchunken sind. Was die Eheleute Marx betrifft, so hätten diese in der Behörde angerufen und ihre Bedenken hinsichtlich der geplanten Einfriedung vorgetragen, so Weier.

Während sich auf telefonische Nachfrage der MZ die Nachbarin, die in einer Bauherrengemeinschaft die Einfriedung anstrebt, nicht äußern möchte, sind Bianca und Ralph Marx schon einen Schritt weitergegangen. Sie haben sich anwaltliche Hilfe bei einer Leipziger Kanzlei geholt, man sei in Widerspruch gegangen. Sollte der abgelehnt werden, wären sie sogar bereit, den Klageweg zu beschreiten.

Denkbar sei für das Ehepaar auch, erneut eine einstweilige Verfügung beim Amtsgericht Wittenberg zu erwirken. Das haben sie im Juli schon einmal gemacht. Damals, so Marx, sind sie in den Urlaub gefahren und es stand zu befürchten, dass in dieser Zeit mit dem Bau begonnen werden sollte.

Unterdessen zeigt ein Besuch in Marx’ Garten, dass der vorhandene Zaun hier und da Reparaturbedarf aufweist. In einigen Bereichen ist er zugewachsen. Dass sie das nicht stört, sagt Bianca Marx. Sie hätten auch zunächst keine Einwände gehabt, als die Nachbarn gefragt hätten, ob sie den Zaun ersetzen dürfen. Dann habe sich herausgestellt, dass statt eines durchlässigen Zaunes eine Mauer geplant sei.

Laut Baugenehmigung, die der MZ vorliegt und der den Angaben zufolge ein Merkblatt zum Artenschutz beigegeben war, ist die „Einfriedung“ mit einer Höhe von 1,75 Meter angegeben. „Die Rotbauchunken kommen dann nicht mehr in den Wald“, befürchten Bianca und Ralph Marx, zu deren Familie auch einige Vierbeiner, darunter zwei Hunde gehören. Früher, sagen die Eheleute Marx, da hätte sich insbesondere die Nachbarin an den Hunden gestört.

Das klingt nach Differenzen. Den Begriff Nachbarschaftsstreitigkeit gebraucht Heiko Tschetschorke, Fachdienstleiter Umwelt und Abfallwirtschaft beim Kreis, gegenüber der MZ. Gleichwohl werde man jetzt vor Ort sicherstellen, dass die Rotbauchunken andere Wege zu ihrem Überwinterungsgrund und zurück haben. Tschetschorke geht davon aus, dass die Amphibien sich Wege suchen.

Stören verboten

Das sieht der Naturschutzexperte und Landschaftsplaner Klaus Meier nicht so. Erfahrung mit der Rotbauchunke hat er in Dessau im Zusammenhang mit einem Bebauungsplan gesammelt, damals schrieb er ein artenschutzrechtliches Gutachten. Am Ende sei man übereingekommen, dass die Unken ihren Winterlebensraum behalten können.

Die Rotbauchunke gelte als stark gefährdet aufgrund des Lebensraumverlustes. Meier: „Es ist verboten, geschützte Arten zu stören oder ihre Lebensstätten zu zerstören.“ Es sei egal, ob es sich um ein Schutzgebiet handelt oder nicht.

Derzeit offen ist, wie die Sache in Klebitz ausgeht. Am Montag waren Bianca und Ralph Marx im Kreistag, sie haben dort die Einwohnerfragestunde genutzt, um auf ihr Anliegen und ihre Sorge um die Unke aufmerksam zu machen. Zuvor hatte Ralph Marx zur MZ gesagt: „Wenn es um das Wohl der Tiere geht, machen wir keine Kompromisse.“

Bombina bombina

Der lateinische Name der Rotbauchunke lautet Bombina bombina. Zu ihren Besonderheiten gehören die Färbung ihrer Unterseite und die Geräusche, die sie von sich gibt: Die Rotbauchunke quakt nicht, sondern macht „uuuh“, wozu der Naturschutzexperte und Landschaftsplaner Klaus Meier sagt: „Wir nennen sie auch die Melancholiker im Tierreich.“

Sie gilt als gefährdete Art der Kategorie 2 der Roten Liste (Sachsen-Anhalt, 2004), so Meier. Ein Teil der westlichen Arealgrenze der Rotbauchunke verlaufe durch Sachsen-Anhalt entlang von Elbe und Saale. Angesiedelt hat sich die Rotbauchunke aber auch u. a. in einem Naturteich der Familie Marx in Klebitz.

Text: Corinna Nitz

Fotos: Thomas Klitzsch


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