Februar 2019

Gärtnerei Martin und Katja Böttcher in Elster

Frühlingserwachen

09.02.2019

Martin und Katja Böttcher sind im Endspurt mit ihrem neuen Gewächshaus. Ab nächste Woche, dem 13. Februar kann unsere Kundschaft im neuen Gewächshaus verschiedene Frühlingsblüher bestaunen und natürlich kaufen. Möglich ist dies von Mo-Fr. in der Zeit von 9 – 18 Uhr. Samstag nach Vereinbarung.

Viel Arbeit in den letzten Monaten. Es gab kein Wochenende. Wir wollen doch unserer Kundschaft die besten  Möglichkeiten anbieten. Sie sollen sich wohl fühlen beim Kaufen ihrer Pflanzen. Aber für uns und für unsere Mitarbeiter verbessert sich auch viel im positiven Sinne.

Im neuen Gewächshaus haben ca. 6000 Pflanzen Platz. Mal mehr Mal weniger. Es kommt auf die Größe der Pflanzen an, so Martin Böttcher. 

Auf den Tag der offenen Gärtnerei freut sich die Gärtnerei Böttcher schon sehr. Mit Stolz werden wir in diesem neuen Gewächshaus all unsere Pflanzen präsentieren und verkaufen. 

Wir sind noch eine Gärtnerei in Sachsen/Anhalt, die zum Beispiel Weihnachtssterne,  Stiefmütterchen und viele andere Sorten auch Frühlingsblüher und Gemüsepflanzen selbst aus kleinen Setzlingen heranziehen. Unsere Kundschaft schätzt das sehr. 

 

Text und Fotos: Medientreff  -  Sabine Hoffmann

 

Sucht - Blick in Teufelskreis 

07.02.2019

Der Klassenraum verändert beim Aufsetzen der Drogenbrille sofort seinen herkömmlichen Grundriss. Die Tafel bekommt fließende Formen, die Seitenwände verschwimmen. Alles wirkt surrealistisch, der Kreislauf kommt in Schwung. Auf einem Tisch stehen Becher bereit, aus denen jeder Proband eine Pyramide bauen muss. Die Hände greifen des Öfteren ins Leere, der Körper beginnt zu schwanken.

Prüfung Nummer zwei ist hochprozentig. Die Drogen- wird gegen eine Rauschbrille (1,3 bis 1,5 Promille) getauscht. Polizeioberkommissar René Walther, der als Regionalbereichsbeamter zuständig für Zahna-Elster ist, weist aus dem Hintergrund die nächste Aufgabe an. Trotz verschwommener Aussicht muss jeder Schüler der Klasse 9a das Wort „Sekundarschule“ an die Tafel schreiben. Die meisten Teenager meistern die Herausforderung mit Bravour, bei einigen ist die Handschrift laut Polizeioberkommissar „leicht verbesserungswürdig“.

An der dritten Station laufen die Schüler aus Elster über einen Teppich der Deutschen Verkehrswacht, der eine Art Hindernisparcours darstellt. Mit der Rauschbrille auf der Nase ist es schwierig, auf dem gekennzeichneten Weg zu bleiben. Walther leistet bei Bedarf Hilfestellung und wirft den Verkehrsteilnehmern Bälle zu. Bei diesem lustigen Katz-und-Maus-Spiel sind die Jugendlichen meist zweiter Sieger. Das Projekt „Vollrausch - Verlorene Lebenszeit“ des Landeskriminalamtes (LKA) kommt bei den Teenagern gut an. Trotz des ernsten Hintergrunds wird gescherzt und gelacht. Der Atemalkoholtest beweist: Alle sind am Mittwoch nüchtern zum Unterricht erschienen.

Erschreckende Erkenntnisse

Als Hanna Züchner durch die Drogenbrille schaut, schießen ihr im ersten Moment Worte wie „heftig“ oder „krass“ durch den Kopf. Die 15-Jährige versucht, beim Pyramidenbau ruhig zu bleiben und findet es gut, dass ihre Freundinnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Schülerin aus der 9a ist noch nie mit Drogen in Berührung gekommen. Daher findet sie es erschreckend, dass Menschen im Rausch durch den Tag torkeln.

Zudem zeigen sie ihre schlechten Seiten. „Man nimmt alles total verschwommen wahr und macht sich lächerlich“, sagt sie und verrät, dass sie plötzlich beide Hände nicht mehr gesehen hat. „Da habe ich Angst bekommen.“ Der Blick durch die Brillen habe ihr die Augen geöffnet. Später, erzählt die 15-Jährige, will sie als Erzieherin im Kindergarten arbeiten und selber Mutter zweier Kinder werden. Zu ihren Lieblingsfächern zählt Hanna Züchner Musik, Deutsch, Geografie und Kunst.

Der Zeugnisausgabe am morgigen Freitag sieht das Mädchen entspannt entgegen. Anschließend steht Wintersport in Bayern auf dem Programm. Musikalische Vorlieben? „Deutscher Rap, aber auch Techno“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Prüfungen mit der Rauschbrille besteht der Teenager fehlerfrei.

Ethiklehrerin Beate Hentschel hat zwar keine Lust, den Probanden zu spielen, doch wenn Hilfe benötigt wird, ist die Pädagogin zur Stelle. Es sei wichtig, sagt sie, dass die Polizei mit solch einem Projekt an die Schulen geht und den Jugendlichen aufzeigt, wie schnell man in den Teufelskreis Sucht geraten kann. Irgendwann wird jeder in seinem Leben mit Dingen wie Alkohol oder Zigaretten konfrontiert.

Deshalb sind kontinuierliche Präventionsmaßnahmen wichtige Bausteine in Sachen Aufklärung, Sensibilisierung und visuelle Wahrnehmung. „Wir werden dieses Projekt jetzt jedes Jahr an unserer Sekundarschule durchführen. 2020 sind die achten Klassen dran.“

Gespräche mit Tiefgang

Eine Etage tiefer ist Polizeioberkommissarin Johanna Schröder-Rimkus vom Revier Wittenberg voll in ihrem Element. Sie spricht mit den Jugendlichen über Beschaffungskriminalität, Prostitution, Zuhälterei sowie den Absturz mit Verlust der eigenen Persönlichkeit und betont unmissverständlich, dass einen Drogendealer nur Gewinnmaximierung interessiert. Auf insgesamt 30 Schautafeln wird eindrucksvoll dargestellt, welche Sorten von Drogen auf dem Markt sind und welchen Schaden sie am Menschen anrichten.

Die Polizeioberkommissarin betont, dass Drogen und Eigenbedarf gerade von Jugendlichen falsch in Zusammenhang gebracht werden und lässt deshalb einen Jungen aus dem Betäubungsmittelgesetz vorlesen. Hier heißt es im Paragraf 29 wörtlich: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft“. Danach herrscht Schweigen im Klassenraum.

Das Thema Tagessatz (im Fall einer Bestrafung) sorgt unter den Teenagern für einen unfreiwilligen Lacher - Lehrerin Beate Hentschel schlägt vor Scham die Hände vors Gesicht. Schröder-Rimkus konstruiert zur Begriffserläuterung ein ganz einfaches Beispiel. Nettoverdienst 900 Euro geteilt durch 30 sind??? 90 geteilt durch drei? Mehr als Achselzucken oder erstaunte Blicke kassiert die Polizeioberkommissarin nicht. Hier die Auflösung: 900 : 30 = 30.

Text und Foto: Thomas Tominski

 

Projekt Heißer Tee gegen kalte Füße 

04.02.2019

Silke Wolter hat stets einen passenden Spruch auf den Lippen. Mit einem Schüler will die Sozialpädagogin „nachher ein Hühnchen rupfen“, ein anderer kassiert Schelte, weil er anstatt der „ordentlichen Bemme“ zwei Wiener Würstchen bevorzugt. Silke Wolter erzählt, dass sie es nicht übers Herz bringt, die Kinder auf dem Schulhof frieren zu sehen. Deshalb hat sie zusammen mit Direktorin Heike Bräse beschlossen, in den großen Pausen heißen Tee auszuschenken.

„Wir sind auch die Sponsoren“, sagt sie und hält der nächsten Frostbeule einen dampfenden Becher hin. Gegen 8.30 Uhr, betont die Sozialpädagogin der Sekundarschule Elster, wird das Wasser erhitzt, 30 Minuten später zwölf bis 13 Teebeutel reingepackt. Sekunden nach dem Klingelzeichen zur Hofpause bildet sich am Stand eine lange Schlange. „Heute gibt es die Geschmacksrichtung Kirsch-Banane“, ruft Silke in die Menge und fügt scherzhaft an, dass die Großen „Tee mit Schuss“ bekommen, damit sie im Unterricht ruhig sind. „Die sind schon auf dem Schulhof ruhig“, ergänzt Direktorin Heike Bräse, denn mit einem vollen Becher in der Hand rennt es sich schlecht.

Geschmack Kirsch-Banane

Sophie Geist steht mit ihren Freundinnen auf dem Schulhof und erklärt, dass sie diesen tollen Service zum ersten Mal in Anspruch nimmt. Kirsch-Banane sei voll ihre Geschmacksrichtung, mit heißem Tee im Bauch lässt sich der Frost viel besser ertragen. „Das Projekt ist klasse. Vielleicht gibt es im Sommer kalten Tee“, sagt das Mädchen aus der 10 b, die nach der Schule Erzieherin werden will. Markus Rößler ist multitaskingfähig. Trinken und Astronomie büffeln passiert bei dem Zehntklässler abwechselnd. Den heißen Service findet Rößler super.

„Passt doch zur Jahreszeit“, sagt er und verrät, dass er jeden Tag mit in der Schlange steht. Schülersprecher Yan-Oliver Wellbrock gesellt sich mit dazu. „Jetzt wird mir langsam warm im Körper“, meint er und ergänzt, dass die Geschmacksrichtung Pfefferminz mehr sein Ding ist. Wellbrock lobt die Sozialpädagogin für die Umsetzung der pfiffigen Idee. Solch ein Angebot in der kalten Jahreszeit habe es an der Sekundarschule Elster noch nie gegeben.

Rings um den Stand wird es immer voller. Silke Wolter schenkt im Akkord aus und kündigt sichtlich im Stress an, dass sie künftig einige Schüler mit in den Ausschank einbinden wird. Lehrer ordern flugs einen vollen Becher, Hausmeister Mario Prell reiht sich ein, mehrere Schüler stellen sich zweimal an. „Da fehlt aber Zucker“, bemängelt ein Junge und kassiert im Gegenzug einen Kurzvortrag zum Thema gesunde Ernährung. Der Monolog von Wolter bietet keinen Ansatz für Gegenargumente.

Ruhe nach Klingelzeichen

Mit dem nächsten Klingelzeichen wird es ruhiger am Stand sowie auf dem Hof. Alle Kinder rennen in die Schule, Wolter hebt mit Schwung den Deckel des großen Topfes hoch und ist erstaunt, dass in 15 Minuten 20 Liter Tee weg wie warme Semmeln gegangen sind. „Mit diesem Erfolg haben wir nicht gerechnet. Die Sorten scheinen gut anzukommen.“ Wolter erzählt, dass die Becher ein bekannter Energieversorger spendiert hat, Sponsoren für Tee werden noch gesucht. „Irgendwann“, sagt sie, „gehen uns die Vorräte aus.“

Beim Zusammenpacken von Topf und Co. kommt die Schulsozialpädagogin noch einmal auf ihre Beweggründe zu sprechen. Auf einem Weihnachtsmarkt zum Beispiel steht man auch nicht nur frierend in der Gegend herum. Um den Körper gegen die Kälte zu schützen, wird Glühwein getrunken. Alkohol ist an der Sekundarschule zwar streng verboten, doch Schüler bei klirrender Kälte etwas Gutes zu tun, grundsätzlich erlaubt. Wolter erhöht das Tempo und beantwortet die nächsten Fragen etwas schneller. Sie muss gleich zum Sportunterricht, sagt sie, und danach die nächsten 20 Liter Wasser heiß machen.

Text und Fotos: Thomas Tominski

 

Jugendclub „Zuflucht“ Elster

Interview zwischen der Mitteldeutschen Zeitung und Jugendclubbetreuerin Sabine Hoffmann

02.02.2019

An fünf Tagen volles Programm

Bis zum Mittwoch, 6. Februar, werden im Jugendclub „Zuflucht“ in Elster die Anmeldungen für die Winterferien erwartet.

Was ist in der Ferienwoche ab dem 11. Februar geplant?

Gleich am Montag fahren wir in den Bundestag nach Berlin. Dafür sind leider keine Anmeldungen mehr möglich. Denn der Besuch, bei dem wir auch den CDU-Bundestagsabgeordneten Sepp Müller treffen werden. Ansonsten bieten wir eine Nacht im Jugendclub, laden ein zum Frühsport im Freien, befassen uns mit Geocaching und feiern Fasching. Am Dienstag gehen wir der Frage nach „Wie kommen die Bilder in den Rahmen?“ 

Was ist denn darunter zu verstehen?

Wir besuchen die Firma Lechelt Design in Elster, in der auch Bilder gerahmt werden. Es ist mir wichtig, dass wir in unserer Stadt oder im Umland einheimische Unternehmen kennenlernen. Die Jugendlichen erfahren so auch etwas über Chancen für ein Praktikum und zu möglichen Berufsausbildungen.

Wie lange hat der Jugendclub in den Ferien geöffnet?

Täglich von 9 bis 18 Uhr. Da ird auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Ich denke, wir bieten ein rundes Programm. Da ist für jeden etwas dabei.

Text und Foto: Frank Grommisch

 

 

Feuer in Zahna

Das Trauma bleibt 

01.02.2019
Die Nächte sind am schlimmsten. „Ein leises Knistern reicht, um mich aus dem Schlaf zu reißen“, sagt Heike Seiler, die seit der Brandnacht psychologische Hilfe in Anspruch nimmt. Die Geschehnisse in den Morgenstunden des 11. Januar haben die 48-Jährige traumatisiert. Als sie gegen 3 Uhr von einem Knistern geweckt wird, läuft sie im Schlafanzug zur Wohnungstür. „Ich habe sie lediglich einen Spalt breit geöffnet“, erinnert sich die Frau aus Zahna, die Qualm und Flammen aus dem im Hausflur stehenden Stromkasten steigen sieht.

Heike Seiler weckt ihren Sohn Marco, alarmiert die Feuerwehr und reicht Stadtwehrleiter Heiko Plewa die Haustürschlüssel aus dem Fenster, damit dieser freien Zugang zum total verrauchten Treppenhaus in der Klebitzer Straße 2 hat. Die 48-Jährige läuft mit ihrem Sohn auf den Balkon, wartet trotz eisiger Temperaturen geduldig auf die Feuerwehr und bezeichnet die Rettung seitens der Kameraden als „sehr professionell“.

Inzwischen ist Alltag eingekehrt. Ihr Sohn Marco ist in Zahna bei Bekannten untergekommen und fährt wochentags mit dem Bus zur Sekundarschule Elster. Die 48-Jährige nutzt bis zum Rückzug in die eigenen vier Wände eine von Vermieter Wittenberger Wohnungsgesellschaft (Wiwog) zur Verfügung gestellte Gästewohnung in der Straße der Völkerfreundschaft, um von dort aus alles zu organisieren.

„Die gesamte Wäsche muss gereinigt werden, damit der Geruch verschwindet“, sagt sie, das Inventar sieht mitgenommen aus. Da Heike Seiler kein Auto besitzt, nutzt die Frau Bus und Bahn, um ihren Sohn zu besuchen beziehungsweise nach dem Rechten zu sehen. Wenn es abends spät wird, schläft sie bei Bekannten, um der Heimat ein Stück näher zu sein. „Ich fühle mich wohl in der Klebitzer Straße“, meint sie. Ruhige Lage, nette Nachbarn - so lässt es sich leben.

Eine große Hilfe in dieser schweren Zeit ist Schwiegervater Heinz Oberländer, der im Aufgang nebenan wohnt. Der 78-Jährige kümmert sich um ihre Katze, geht jeden Tag die Wohnung lüften und nimmt die Post entgegen. So ist es auf einem kleinen Schild am Postkasten vermerkt. Der Rentner hat die Brandnacht noch lebhaft in Erinnerung. „Als die Sirene angegangen ist, bin ich aus dem Bett gesprungen.“

Nach der Evakuierung des Aufgangs durch die Feuerwehr steht der 78-Jährige auf dem Gehweg und macht sich Sorgen um Schwiegertochter und Enkel. „Zum Glück“, sagt er, „sind sie nicht durch den Flur gerannt“, so Oberländer, der den Tod des 33-jährigen Mieters (eventuell Kohlenmonoxidvergiftung) aus der Nummer zwei als schweren Schicksalsschlag für die Angehörigen bezeichnet. „Das war ein ganz netter Mann“, ist zu hören.

Rando Gießmann, Geschäftsführer von Vermieter Wiwog, hat mit seiner Ankündigung, dass „die Terminkette von Erstellung eines Gutachtens bis zur erfolgten Instandsetzung durch Firmen von uns nicht nicht komplett steuerbar ist“, bereits Mitte Januar angedeutet, dass der Rückzug in die Klebitzer Straße von vielen Faktoren abhängt.

Der anvisierte Termin fünfte Kalenderwoche ist geplatzt, aktuell wird der 15. Februar favorisiert. Diese Information, sagt Seiler, haben wir von der Wiwog auch bekommen. Der 48-Jährigen kommt es auf ein paar Tage nicht an. Wichtig ist, dass sie nachts von keinen Knistergeräuschen geweckt wird.

Text und Foto: Thomas Tominski

 


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